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Musikpädagogische Exkursion nach Leuven/Belgien

04.-08.11.2012
Prof. Dr. Gerhard Sammer

 

Am Morgen des 04.11.2012 starteten neun Schulmusik-Studenten – krankheitsbedingt leider etwas weniger Leute als geplant – ihre Zugfahrt von Würzburg nach Belgien. Im flämischen Leuven angekommen, wurde die Gruppe von Prof. Sammer und Kilian Baur in Empfang genommen, die wegen einer EAS-Konferenz bereits früher angereist waren.
In einem kleinen Café wärmte sich die Gruppe bei belgischer „warme chokolademelk meet slagroom“ auf und traf auf Thomas de Baets, einem Musikpädagogen an der dortigen Musikhochschule, dem Lemmens-Institut, der mitverantwortlich für die Organisation und das Programm der kommenden Tage sein sollte. Eine anschließende kleine Führung durch die Altstadt Leuvens und ein Besuch im dortigen Kunstmuseum brachte einen ersten Eindruck von der Stadt, die eine der wenigen belgischen Musikhochschulen beherbergt.
Der erste Tag wurde dann mit einem Abendessen in einer kleinen Brauerei beendet und so konnten auch die kulinarischen Besonderheiten des kleinen Nachbarlandes kennengelernt werden.

Exkursionsteilnehmer Leuven 2012 


Am folgenden Tag durfte die Gruppe den Musikunterricht in einer Sekundarschule in  Heverlee hospitieren. Eine gute Gelegenheit, einmal andere didaktische Vorgehensweisen und Gegebenheiten kennen zu lernen! In Belgien gab es beispielsweise keinen festen Lehrplan für das Fach Musik und so kam es schon zu gewissen Unterschieden bei verschiedenen Lehrkräften. All diese Eindrücke wurden deshalb am Nachmittag bei einer Sitzung mit Thomas de Baets, der vormittags auch schon in Heverlee Musikunterricht gehalten hatte, im Lemmens-Institut besprochen.

 

Unterrichtssituation Exkursion Leuven 2012

In einem darauffolgenden musikpädagogischen Seminar von Ann Casier stellten die Würzburger Studenten den belgischen Kommilitonen das deutsche Schul- und Studiensystem vor und bekamen im Gegenzug auch eine Präsentation über die Gegebenheiten in Belgien. Es gab zwar viele Ähnlichkeiten – aber vor allem über die Unterschiede wurde eine ganze Weile diskutiert. Besonders das Fach „Solfège“, das Gehörbildungsunterricht und Musiktheorie auf absoluter Solmisation basierend vermittelt, sorgte auf deutscher Seite für Aufklärungs- und Diskussionsbedarf. Alle Kinder an einer belgischen Musikschule müssen nämlich zunächst Solfège-Kurse durchlaufen, ehe sie an ein Instrument herangeführt werden.

Im Anschluss stellten die belgischen Studenten ihr Institut mit einer Führung durch das riesige, „Hogwarts“-ähnliche Gebäude vor. In einem Trakt war sogar eine musische Sekundarschule untergebracht. Den Abend ließen dann alle Studenten gemeinsam in einer kleinen Kneipe ausklingen.

Mit dem Dienstag wartete ein anstrengender Tag:
Zuerst bekam die Gruppe die Gelegenheit, 38 Schüler in Heverlee selbst zu unterrichten. Nach einer Liedeinstudierung und einer Schulsystem-Präsentation mit anschließender Gesprächsrunde wurde mit den Schülern noch ein „Klangmemory“ gespielt, bei dem sie sichtlich Spaß hatten.
Danach fuhr man ins 30 Kilometer entfernte Brüssel, wo eine Besichtigung des EU-Besucherzentrums „Parlamentarium“ auf dem Programm stand: eine hochmoderne und interaktive Ausstellung über das Europa-Parlament und die EU insgesamt.

Der Abend konnte dann auf einer Hochschul-Feier richtig schön ausklingen, bei der man auch wieder auf die Studenten des Vortages traf und noch einige neue Bekanntschaften machte. Die Feier war von den dortigen Studenten mit Bier-Barometer und guter Live-Musik wirklich hervorragend organisiert worden. Und so hatten auch die Würzburger bis in die frühen Morgenstunden ihren Spaß.

Der dann aber leider dazu führte, dass die Besichtigung der Schatzkammer der Kirche St. Pieter am Mittwoch Vormittag etwas kürzer ausfiel. Der Fußmarsch zurück ins Lemmens-Institut kam dann aber einigen wieder sehr bekannt vor.
Dort angekommen, wurden im Seminar „Active Music Making“ mit belgischen Studenten mehrere Songs einstudiert. Einen davon, „Stand by me“, führten dann alle gemeinsam als Flashmob während der Pause in der dort untergebrachten Schule auf.
Zum Abschluss wurde von Lina van Dooren noch ein Workshop angeboten, der den Studenten anhand von Übungen die musikpädagogische Technik von Dalcroze näherbrachte.

Waffelspezialität Leuven 2012

Den letzten Tag verbrachte die Gruppe in Brüssel, um in Ruhe all die Sehenswürdigkeiten ansehen zu können, die diese tolle Stadt zu bieten hat. Erste Anlaufstelle war zunächst das sehr interessante Musikinstrumenten-Museum: Hier schien beinahe jedes Instrument aus allen Ländern der Welt ausgestellt zu sein. Nach einer Führung durch das Museum, bei der sogar einmal alle das Magnetfeld-Instrument Theremin ausprobieren durfte, teilte man sich auf, und jeder forschte seiner Instrumentenfamilie nach. 
Die weiteren Wahrzeichen Brüssels wurden anschließend bei einem Spaziergang erkundet. Julia Wolf und Susanne Haberl hatten hierfür eine richtige Stadtführung vorbereitet, die vom Grand Place vorbei an einigen Kirchen bis zum Manneken pis führte. 
Beim abschließenden gemeinsamen Essen wurden alle Eindrücke zusammengeführt und ein absolut positives Resumée dieser Exkursion gezogen: Man hatte viel gesehen, viel gelernt und tolle neue musikpädagogische Erfahrungen gesammelt – und nicht zuletzt eine wunderschöne Zeit mit der Gruppe gehabt, in der Schulmusiker fast aller Semester vertreten waren.

An dieser Stelle herzlichsten Dank an Prof. Dr. Sammer, der diese Exkursion  ermöglicht und für ein tolles Programm gesorgt hatte, sowie seine Studenten stets gut gelaunt durch diese fünf Tage begleitete!

Ihm blieben zum Glück die Strapazen der Heimreise erspart, die dank der „Verlässlichkeit“ der Deutschen Bahn noch auf die Gruppe warteten.